| teletutoren.net:
Herr Dr.Schlüter, Sie sind pädagogischer Leiter
der Studiengemeinschaft Darmstadt, einem renommierten Fernunterrichtsanbieter.
Seit wann gibt es die SGD und seit wann werden Teletutoren (bei
der SGD "Fernlehrer" genannt) zur Betreuung der Kursteilnehmer
eingesetzt? Wie viele Teletutoren/Fernlehrer beschäftigen Sie
momentan?
Dr. Okke Schlüter: Die SGD
wurde 1948 gegründet, um in der Zeit des Wiederaufbaus den
Menschen Weiterbildung zu ermöglichen. Vor dem 2. Weltkrieg
hatte es bereits Selbstlernmaterialien gegeben, neu war die tutorielle
Betreuung durch Fernlehrende, die bei der SGD von Anfang an dazugehörte.
Durch diese Erweiterung ist aus dem Selbstlernprozess Fernunterricht
geworden. Die Notwendigkeit selbstgesteuertes Lernen zu betreuen,
die durch das E-Learning in den 1990er Jahren sehr aktuell wurde,
bestand im Fernunterricht von Anfang an. Gegenwärtig beschäftigt
die SGD ca. 350 Tutoren.
teletutoren.net:
Man kann jederzeit mit einem Kurs bei der SGD starten.
Wie sieht das Betreuungskonzept der SGD im Detail aus, da es ja
schwierig ist, feste Lerngruppen zu bilden? Welche Medien (Lernplattform
etc.) werden eingesetzt und zu welchem Zweck?
Dr. Okke Schlüter: Fernunterricht
ist bei der SGD in der Tat eine sehr individuelle Lernform. Ebenso
wie die Vertragsbedingungen können Lernorganisation und Lerntempo
individuell gestaltet werden. Auch die tutorielle Betreuung geht
auf individuelle Spezifika und Fragen ein, die Betreuungsleistungen
der Tutoren bzw. Fernlehrenden sind vielfältig: sie korrigieren
die „Einsendeaufgaben“, beantworten Anfragen zum Lernstoff
(und darüber hinaus) schriftlich oder telefonisch. Auf der
SGD-eigenen Lernplattform waveLearn moderieren sie Foren und Chats,
geeignete Lerninhalte vermitteln sie in virtuellen Klassenzimmern;
darüber hinaus moderieren Tutoren zum Teil auch peer-to-peer-Kommunikation,
d.h. die Kommunikation zwischen den Teilnehmern eines Lehrgangs.
Die Moderation durch die Tutoren sorgt dafür, dass sich der
scheinbare Widerspruch zwischen individuellem Lernen und Lerngruppen
auflöst.
Im Gegensatz zu dem Tutorenverständnis bei Frank Böhm
(siehe Interview vom Oktober
2006) sind die Tutoren bei der SGD alle auch Fachexperten –
das ist keine Frage der Sichtweise sondern eine Notwendigkeit des
Betreuungskonzeptes.
teletutoren.net:
Teletutoren werden auch als Schnittstelle oder „Rückkoppelungsinstanz“
zwischen Bildungsanbieter und Kursteilnehmern bezeichnet, da sie
laufend Informationen über die Befindlichkeit und den Lernerfolg,
aber auch über Schwierigkeiten und zusätzliche Lernbedarfe
der Teilnehmer erhalten. Was erwarten Sie von Ihren Teletutoren/Fernlehrern
in dieser Hinsicht und wie verläuft die „Rückkoppelung“
bei der SGD?
Dr. Okke Schlüter: Das ist
ein ebenso wichtiger wie komplexer Aspekt. Die Rückkopplungsfunktion
ist ein Erfolgsfaktor von Fernunterricht, der über das Gelingen
des Lernprozesses entscheidet, wie auch für das Qualitätsmanagement
des Anbieters von Bedeutung ist. Als Anbieter erwarten wir eine
individuelle Betreuung der Lerner in ganz unterschiedlicher Hinsicht:
man muss das individuelle Vorwissen der Lerner im Blick behalten,
die Einbettung des Lernens in den Arbeits- bzw. Familienalltag.
Dazu kommen Standardaspekte wie Lernertyp und individuelles Lernverhalten.
Dies ist bei der Korrektur und Kommentierung von Einsendeaufgaben
ebenso zu beachten wie bei Anfragen zum Stoff oder beim Coaching
der Lerner zum selbstgesteuerten Lernen.
|
Die SGD erhält
von ihren Tutoren wichtige Hinweise zu den eingesetzten Lernmaterialien
und -aufgaben. Darüber hinaus wünschen wir uns von Tutoren
auch kreative Verbesserungsvorschläge, was die eingesetzten
Formen der Betreuung betrifft. Bei all dem muss man wissen, dass
der Kontakt der SGD zu ihren Teilnehmern nicht ausschließlich
über die Tutoren zustande kommt. Alle Teilnehmer haben zusätzlich
persönliche Studienbetreuer, die bei organisatorischen Fragen
helfen und den Lernprozess begleiten. Fachliche Dinge werden aber
ganz überwiegend mit den Tutoren besprochen.
teletutoren.net:
Welche Trends zeichnen sich Ihrer Meinung nach auf dem Fernunterrichtsmarkt
ab? Werden sich die Anforderungen an die Teletutoren aufgrund neuer
Entwicklungen Ihrer Ansicht nach ändern? Und wie schätzen
Sie die Nachfrage nach qualifizierten Teletutoren in der Zukunft
ein?
Dr. Okke Schlüter:
Ich erwarte generell einen steigenden Bedarf an (Tele)Tutoring.
Zwei Trends werden den Bedarf steigern: zum einen das zunehmende
mobile Lernen, zum anderen hybride Lernarrangements (Blended Learning).
Zum Blended Learning zählt in einem erweiterten Verständnis
auch das Distance Learning. In beiden Fällen, besonders aber
beim Blended Learning, moderieren Teletutoren fragmentierte Lernprozesse
und sorgen für eine Konvergenz des Lernprozesses. Teletutoring
bzw. eine Qualifikation zum Teletutor wird gleichzeitig aber auch
selbstverständlicher werden. Doppelqualifikationen aus der
Methodenkompetenz eines Teletutors und dem Wissen eines Fachexperten
werden aber gesuchte Kombinationen bleiben.
teletutoren.net:
Wir bedanken uns für dieses interessante Gespräch!
Interviewerin: Gabriela Pflüger
Link: www.sgd.de

Dr. Okke Schlüter
Pädagogischer Leiter der Studiengemeinschaft Darmstadt
Zur
Person: Dr. Okke Schlüter arbeitete innerhalb
der Klett-Gruppe zunächst bei PONS. Dort war er an der
Entwicklung eines Blended-Learning-Systems für Fremdsprachen
beteiligt. Im Schulbuchbereich von Klett verantwortete er
neben einer Lehrwerksfamilie auch Lernsoftware. Parallel hielt
er eine Reihe von Vorträgen u.a. auf dem Blended Learning
Symposium, der „Sprachen & Beruf“ sowie der
Online Educa Berlin. Seit 2006 ist Dr. Schlüter bei der
SGD als pädagogischer Leiter für die Entwicklung
und Durchführung von Lehrgängen zuständig;
dazu zählt auch die Betreuung durch Teletutoren.
|
Download
des Interviews als PDF |