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teletutoren.net:
Sie betreiben eine Online-Sprachschule für Italienisch.
Dies ist eine innovative und moderne Idee des Sprachunterrichts,
für die wir Sie beglückwünschen möchten. Uns
interessiert zuallererst, wie Ihre Zielgruppe dieses Angebot bislang
annimmt.
Claudia Cunico: Vielen Dank für
die Glückwünsche! Die Initiative e-school-online.net
ist sehr jung und noch im Aufbau: im Moment haben vor allem Studierende
Interesse daran gezeigt. Sie lassen Offenheit sowie Neugier für
neue Methoden erkennen und verfügen über eine gute Medienkompetenz.
Die Teilnehmer begrüßen die Möglichkeit, bei freier
Zeiteinteilung lernen zu können (die Abgabefristen für
die Einsendeaufgaben werden rechtzeitig bekannt gegeben und sind
„großzügig“ kalkuliert). Sie wissen es außerdem
zu schätzen, dass der Tutor auf ihre individuellen Bedürfnisse
eingehen kann, was in einem traditionellen Unterricht mit 15 Teilnehmern
nicht immer möglich ist.
Es handelt sich um Lernende, die bereits über Sprachkenntnisse
verfügen und diese rasch auffrischen bzw. vertiefen möchten.
Es ist noch eine gewisse Skepsis gegenüber dem reinen Live-Online-Lernen
zu spüren, deshalb werden die Kurse zur Zeit in Blended-Learning
angeboten, d.h. Präsenzphasen werden durch tutorielle Betreuung
auf der Lernplattform www.moodle.e-school-online.net
begleitet. Während des Unterrichts in Präsenz wird den
kommunikativen Aspekten der Sprache viel Raum gewidmet; auf der
Lernplattform haben die Teilnehmer die Möglichkeit, das Gelernte
durch interaktive Übungen zu vertiefen, den Wortschatz zu trainieren
und die eingeführten grammatischen Themen zu festigen. Darüber
hinaus werden Lese-, Hörverständnisübungen und weitere
Aufgaben (Websearch, Webquests) angeboten, die bei freier Zeiteinteilung
abgegeben werden können.
Selbstverständlich wird auf der Plattform z.B. in Foren auch
diskutiert: landeskundliche Themen, die teilweise in Präsenz
eingeführt wurden, geben Anlass zu einem Austausch von Eindrücken,
Erfahrungen, Meinungen und bieten gleichzeitig eine Möglichkeit,
das Schreiben in der Zielsprache - einer der Sprachkompetenzen,
die oftmals in einem „traditionellen“ Unterricht zu
kurz kommt - zu üben. Die Teilnehmer brauchen in diesem Fall
keine Angst haben, sich mit Fehlern zu blamieren, denn sobald es
mir möglich ist, bearbeite ich ihre veröffentlichten Beiträge,
beseitige mögliche sprachliche Unreinheiten und kommentiere
sie in einer eigenen persönlichen Mail.
teletutoren.net:
Das hört sich alles sehr verheißungsvoll an!
Wie schätzen Sie das längerfristige Wachstumspotential
Ihrer Sprachschule ein?
Claudia Cunico: Nun, obwohl einige
Lernende dieser neuen Lernmethode mit Vorbehalten gegenüber
stehen, bin ich mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist:
diese neue Form des Unterrichts wird sich bald durchsetzen und überzeugen!
Gerade junge Lernende begrüßen alles, was nicht Frontalunterricht
ist: sie benutzen schon privat Kommunikationsprogramme und fühlen
sich dabei wohl! Warum sollte man diesem Enthusiasmus nicht entgegenkommen?.
teletutoren.net: Sie haben
schon einige Jahre Erfahrung im Präsenzunterricht als Sprachlehrerin.
Wie unterscheidet sich der Online-Sprachunterricht davon? Worauf
müssen Sie nun achten und welche neuen oder andersartigen Konzepte
setzen Sie online ein?
Claudia Cunico:
Oh je, darüber könnte man ja ein Buch schreiben! Der Ablauf
ist schon sehr ähnlich, nur die Art und Weise wie man die Inhalte
präsentiert und bearbeitet (bzw. bearbeiten lässt) unterscheiden
sich. Hier ein paar Beispiele (ich beziehe mich an dieser Stelle
auf die Arbeit mit der Lernplattform). Vor Einführung eines
neuen Themas bietet man eine „Motivations- bzw. Aufwärmungsphase“
an: im Unterricht erfolgt dies entweder im Plenum (z.B. Brainstorming)
oder als Gruppenarbeit (Interviews) meistens unter Einsatz von Bilder-,
Video- oder Audiomaterial. Auf der Plattform erfolgt dies durch
ein einfaches Websearch oder auch als Brainstorming mithilfe der
Wikifunktion. |
Die neuen Inhalte werden
in beiden Fällen induktiv erschlossen: aus Beispielen und Hilfestellungen
ist der Lernende in der Lage, die Regel selber zu formulieren. Im
Unterricht hat er meistens z.B. eine Tabelle auf dem Übungsblatt
zu vervollständigen; auf der Lernplattform erfolgt ein ähnlicher
Prozess, wobei die o.g. Lösungen eingereicht und vom Tutor
individuell kommentiert werden. Daraufhin werden interaktive, selbstlösende
Übungen angeboten, damit der Lernende Sicherheit gewinnt. Die
Schwierigkeit der Übungen steigt nach und nach, wobei die letzten
Aktivitäten Einsendeaufgaben sind, die der Tutor umgehend überprüft.
Im Unterricht werden Übungen angeboten, die der Lernende entweder
allein od. in kleiner Gruppe bearbeiten kann. Die Korrektur erfolgt
umgehend und meistens in Plenum wobei die Kursleitung sich nur ein
begrenztes und allgemeines Bild machen kann, ob das eingeführte
Thema wirklich „sitzt“. Bei den Einsendeaufgaben sieht
es ganz anders aus: der Tutor kann wohl nachvollziehen, ob jeder
Teilnehmer wirklich mitkommt, und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse
eingehen.
Die wahre Herausforderung ist ja die Motivation! Im Onlinelernen
muss der Tutor praktisch rund um die Uhr präsent sein, rasch
reagieren und sich stets etwas einfallen lassen, damit die Teilnehmer
aktiv bleiben und sich nicht „allein“ fühlen!
teletutoren.net:
Was halten Sie von Ausflügen mit Ihren Sprachschülern
in das "Second Life"? Ist diese 3D-Umgebung aus Ihrer
Sicht auch für den Sprachunterricht geeignet?
Claudia Cunico: Leider habe ich
mit „Second Life“ noch nicht besonders viele Erfahrungen
sammeln können, ich muss aber gestehen, dass es mich nicht
überzeugt hat: Es bietet zu viele Ablenkungen und ist lediglich
für geübte User geeignet. Befragungen (w3b) haben ergeben,
dass die Mehrheit der Nutzer SL oft schon nach dem ersten Besuch
nicht wieder aktiv nutzen. Das muss ja einen Grund haben. Was mich
noch mehr erschreckt, ist die Entfremdung, die dabei entsteht, ein
gefährlicher Aspekt gerade für junge Teilnehmende, den
ich keineswegs unterstützen möchte. Eine Sache ist von
einem Kommunikationsprogramm zu profitieren und eine andere ist
„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ zu spielen.
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teletutoren.net:
Auf Ihrer Plattform befindet sich auch ein Fragebogen zur "Lerntypenanalyse".
Inwieweit berücksichtigen Sie verschiedene Lerntypen bei Ihrer
Konzeption? Gibt es aus Ihrer Sicht auch Lerntypen, für die
Online-Sprachunterricht gar nicht geeignet ist? Und falls ja, warum?
Claudia Cunico: Es war mir wichtig,
dass sich die Interessenten bewusst werden, wie sie lernen und ihre
Lernumgebungen und -gewohnheiten dementsprechend anpassen. Man unterscheidet
zwischen dem auditiven, visuellen, kommunikativen und dem motorischen
Lerntyp, allerdings spricht man ja letztendlich nur von „Mischtypen“.
Der visuelle Lerntyp wird sich auf einer Plattform besonders wohl
fühlen, aber natürlich möchte man alle Lerntypen
ansprechen! Der kommunikative Lerntyp findet sich in Foren in seinem
Element sowie während (Video-) Chat Sitzungen - Hand in Hand
mit dem Auditiven. Der motorische Lerntyp wird sich mit den interaktiven
Übungen austoben können.
teletutoren.net:
Über welche Kompetenzen und Einstellungen müssen Ihre
Teilnehmer darüber hinaus verfügen? Und wie hoch sind
die Anforderungen aus technischer Sicht?
Claudia Cunico: Verteiltes und
autonomes Lernen erfordert ja eine gewisse Selbstdisziplin und Organisation.
Ungeübten Lernern kann dabei die Führung eines Lerntagebuches
behilflich sein: es hilft ihnen sich nicht zu verzetteln und gleichzeitig
die Fortschritte und Erfolgserlebnisse stets vor Auge zu haben.
Aus technischer Sicht reicht für die Nutzung der Lernplattform
eigentlich die reine Internetverbindung schon aus. Für die
Live-Online-Sessions braucht man ein Headset und eventuell eine
Webcam.
teletutoren.net:
Bislang kann man bei Ihnen ausschließlich Italienisch lernen.
Haben Sie vor, auch weitere Sprachen in Ihr Angebot aufzunehmen?
Claudia Cunico: Oh ja! Natürlich
beabsichtige ich weitere Sprachen im Bereich Erwachsenbildung anbieten
zu können, aber was mir im Moment mehr am Herzen liegt, ist
ein neues Projekt für Schüler ins Leben zu rufen. Als
zweifache Mutter bin ich mir wohl den neuen Herausforderungen und
Lücken des Schulsystems bewusst: viele Schüler brauchen
Hilfe bei der Erledigung der Hausaufgaben und Vorbereitung auf Klassenarbeiten.
Manche Eltern fühlen sich dabei oft überfordert und kommen
auch inhaltlich nicht unbedingt mit. Ich möchte eine Art Online-Schülerhilfe
gründen, die fächerübergreifend Betreuung und Hilfestellungen
in Form von Online-Aktivitäten anbietet.
teletutoren.net:
Vielen Dank für dieses interessante Interview und viel Erfolg
bei Ihren Plänen!
Interviewerin: Gabriela Pflüger
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