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teletutoren.net: Herr
Keller, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Rüdiger Keller: Mein Name
ist Rüdiger Keller und ich bin Doktorand am Lehrstuhl für
Medienpädagogik in Augsburg. Meine Dissertation beschäftigt
sich mit dem Live E-Learning und der damit verbundenen Qualifikation
von Teletutoren. Ich betreue wissenschaftlich die synchrone Weiterbildung
des Projektes "Intel - Lehren für die Zukunft". Darüber
hinaus habe ich an zwei Weiterbildungen zum Teletutor teilgenommen.
Einerseits an der LMU München im Rahmen der Virtuellen Hochschule
Bayern. Zum anderen an der Weiterbildung zum Teletutor an der Akademie
für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen.
teletutoren.net:
Wieso haben Sie das Forum teletutor.net ins Leben gerufen?
Rüdiger Keller: Ich denke,
dass der Bereich des E-Learning, insbesondere der des Teletutoring,
noch sehr jung ist. Dadurch gibt es noch viel Uneinigkeit in der
Praxis, aber auch in der Wissenschaft. Um die Diskussionen zu fördern,
die sich in diesem Bereich entwickeln, wollte ich eine Plattform
zur Verfügung stellen. Auf der Seite www.teletutor.net
können Teletutoren Ideen mit einem Fachpublikum austauschen,
Anregungen bekommen und Gleichgesinnte treffen.
teletutoren.net:
Welche Möglichkeiten haben Sie genutzt, Ihr Forum
bekannt zu machen? Wie ist die Akzeptanz des Forums bei Ihrer Zielgruppe?
Rüdiger Keller:
Die Seite ist auf einschlägigen Webseiten verlinkt.
Damit wollen wir erreichen, dass unser Service auch gefunden wird.
Desweiteren wird auf Veranstaltungen zu diesem Thema immer wieder
auf unsere Seite hingewiesen. Die Akzeptanz der Seite ist sehr gut.
Die Resonanz, die wir erfahren, ist stets positiv. Leider aber spiegelt
sich diese hohe Akzeptanz nicht immer in den Zahlen wieder. Zwar
haben wir sehr hohe Benutzerzahlen, wenn man sich die Log-Dateien
anschaut. Ich denke ca. 200 Hits am Tag von verschiedenen IP Adressen
ist eine realistische Zahl. Aber leider konnten wir bisher die Leute
noch nicht zu einer regen Diskussion ermutigen. Allerdings mit steigenden
qualitativen Angeboten auf der Seite wird sich das bestimmt noch
ändern.
teletutoren.net:
In Ihrem Dissertationsvorhaben beschäftigen Sie sich
mit Live-E-Learning. Was hat man sich genau darunter vorzustellen?
Rüdiger Keller: Live E-Learning
ist eine sehr faszinierende Form des E-Learnings. Hierbei handelt
sich um ein synchrones Lernen. Das heißt, dass sich die Lernenden
und die Lehrenden zeitgleich an verschiedenen Orten befinden. Zur
Kommunikation werden sogenannte „Virtuelle Klassenzimmer“
eingesetzt. Virtuelle Klassenzimmer sind online-basierte Umgebungen
für synchrone Lernprozesse. Realisiert wird dies durch eine
Software. Die Werkzeuge, die in solchen Virtuellen Klassenzimmern
zur Verfügung stehen sind vielfältig: Es können Powerpoint
Folien gezeigt und besprochen werden, an digitalen Tafeln gearbeitet
werden oder aber per Application Sharing gemeinsame Computeranwendungen
genutzt werden. Letzteres ist insbesondere gut geeignet, um eine
Software zu zeigen und zu erlernen.

Rüdiger Keller
Doktorand am Lehrstuhl für Medienpädagogik der Uni
Augsburg |
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teletutoren.net:
Benötigen Teletutoren spezielle oder zusätzliche Kompetenzen
für das Live-E-Learning?
Rüdiger Keller: Davon bin
ich überzeugt. Nehmen Sie das Beispiel von spontanen Situationen,
die auf Grund der zeitgleichen Kommunikation entstehen können.
Nehmen wir weiter an, es liegt bei einem Teilnehmer eine technische
Schwierigkeit vor. Beim asynchronen E-Learning können Sie sich
besser vorbereiten und überlegen, wie sie auf diese spezifische
Situation reagieren. Als Teletutor im Live E-Learning müssen
Sie zeitnah bzw. sofort darauf reagieren. Unterschiede zum asynchronen
Lernen gibt es aber auch in anderen Feldern: das gleichzeitigen
Achten auf den Chat, die eigene Stimme, den eigenen Vortrag und
vielleicht noch auf ein Videobild erfordern eine hohe Konzentration.
Die Stimme als Medium der Kommunikation spielt eine wichtige Rolle.
Die Interaktivität zwischen Lehrendem und Teilnehmern ist auch
ein wichtiger Faktor für das Live E-Learning, damit niemand
das Gefühl bekommt, in einem Vorlesungssaal ohne Interventionsmöglichkeiten
zu sitzen. Ich denke, dass es Überschneidungen mit den Kompetenzen
des asynchronen Lernens gibt, aber auch Unterschiede.
teletutoren.net:
Welche Tipps können Sie unseren Teletutoren in Bezug auf Live-E-Learning
geben?
Rüdiger Keller: Wahrscheinlich
passt dies zu allen Lebenslagen, und darum auch im Live E-Learning:
Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Auch wenn etwas nicht funktioniert,
verlieren Sie nicht den Humor. Die Teilnehmer honorieren dies durchaus
und haben Verständnis, wenn etwas Mal nicht so klappt, wie
es sollte.
teletutoren.net:
Werden Ihrer Meinung nach zukünftig Online-Szenarien, die hauptsächlich
auf asynchrone Kommunikation setzen, aus der Bildungslandschaft
verschwinden? Oder gibt es auch zukünftig Einsatzbereiche für
asynchrone Szenarien?
Rüdiger Keller: Wenn man
sich die Geschichte der Medien anschaut, so hat ein neues Medium
nie eine altes verdrängt. Wir schauen heute genauso gerne Fernsehen,
wie wir morgens Radio hören oder die Tageszeitung lesen. Ich
glaube beim E-Learning ist das ähnlich. Synchrone und asynchrone
Lernformen werden sich ergänzen. In einer globalisierten Welt
wird das Lernen auch global stattfinden. Ich denke da z.B. an weltumspannende
Unternehmen. Allerdings wird man in arge Bedrängnis kommen,
wenn man in Deutschland ein virtuelles Treffen um 14:00 einberuft,
wenn es in Wellington / Neuseeland 3:00 morgens ist. Somit ist das
asynchrone Lernen z.B. unabdingbar für interkulturelle Gruppen,
die weit voneinander entfernt bzw. durch Zeitzonen getrennt sind.
Denn die zeitgleiche Anwesenheit ist schlicht nicht möglich.
Es sei denn, es finden sich genügend Mutige, die sich auch
um 3:00 morgens einloggen. ;-)
Synchrones Lernen ist besonders gut geeignet, um Faktenwissen zu
vermitteln oder Fähigkeiten zu schulen. Themen, die ein profundes
und tieferes Verständnis erfordern, können nicht ausschließlich
synchron vermittelt werden. Und schließlich: Zur Terminvereinbarung
ist man für gewöhnlich immer noch auf E-Mails angewiesen.
Es zeigt sich, denke ich, dass ein Ineinandergreifen beider Formen
des E-Learnings mehr als sinnvoll ist.
teletutoren.net:
Herr Keller, vielen Dank für dieses interessante Interview!
Interviewerin: Gabriela Pflüger
Download des Interviews als PDF |