| teletutoren.net:
Herr Kohnle, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Gewinn
des Europäischen E-Learning Award 2007 „EureleA“!
Bitte erklären Sie doch unseren Lesern kurz, was dies für
ein Preis ist und warum Sie ihn erhalten haben.
Uwe Kohnle: Der europäische
E-Learning Award ist ein Wettbewerb, mit dem ein zentraler Impuls
für die Entwicklung innovativer Aus- und Fortbildungsangebote
im Internet und Intranet gegeben werden soll. Prämiert wird
im Rahmen von EureleA die beispielgebende Nutzung von E-Learning,
also von elektronischen Lehr- und Lernmitteln für Zwecke der
Aus- und Fortbildung.
lernmodule.net ist Gewinner des Europäischen E-Learning Award
2007 in der Kategorie 'Privatinitiativen und Non-Profit-Organisationen'.
Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:
„Das Projekt "Lernmodule.net" ist ein gemeinnütziger
Ansatz, der die Verwendung des mediengestützten Lernens in
der Schule dadurch fördert, dass sich Lehrer innerhalb von
Minuten Kursmaterial für ihren Unterricht zusammenstellen können.
Dieses Modell und die Vielfalt der Kurse sind in besonderem Maße
angetan, die Rolle des Lehrenden als Wissensmoderator und Qualitätssicherer
zu betonen und leisten damit einen Beitrag zur Entwicklung der Schule
des 21. Jahrhunderts. Die Jury versteht diese Auszeichnung als eine
ausdrückliche Bestärkung, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen
- aber auch als Ansporn und Rückenwind bei der Zusammenarbeit
mit den Schulbehörden, die zur Veränderung des Systems
Schule notwendig ist.“
teletutoren.net:
Seit wann gibt es lernmodule.net und warum haben Sie das
Unternehmen gegründet?
Uwe Kohnle: Ich habe lernmodule.net
im Oktober 2004 gegründet, und zwar mit einem sperrig anmutenden
Namenszusatz: Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung
Neuer Medien in Schulen und Hochschulen. Und genau darum geht es:
Die Potenziale computergestützter Medien für das Lehren
und Lernen zu erschließen. Als ehemaliger Lehrer weiß
ich, dass eine zusätzliche Arbeitsbelastung von den Kolleginnen
und Kollegen oft kaum noch zu stemmen ist. Neue Medien müssen
deshalb optimal auf den Unterricht zugeschnitten sein und sich unkompliziert
integrieren lassen. Und die Qualität muss stimmen. Binnendifferenzierung,
Arbeitserleichterung, Überbrückung von Unterrichtsausfällen:
An E-Learning-Szenarien für Schulen führt mittlerweile
kein Weg mehr vorbei. Dabei darf es möglichst nichts kosten,
um die Chancengerechtigkeit auch im außerschulischen Bereich
zu verbessern. Wir bieten deshalb kostenfreie elektronische Unterrichtsstunden
mit integrierter Leistungsüberprüfung zu sämtlichen
Schul- und Berufsthemen. Wir bauen dabei u. a. auf nachhaltige und
langfristige Partnerschaften mit Unternehmen, die einen Mehrwert
darin sehen, sich in diesem neuartigen Kommunikationsfeld für
die Zielgruppe Lehrer, Jugendliche und Eltern zu engagieren.
teletutoren.net:
Es sind sehr viele Nutzer auf der Website angemeldet, aber im Vergleich
dazu (noch) wenig Lernmodule verfügbar. Wie kommt es zu dieser
Diskrepanz? Hängt dies auch mit der Standardisierungsproblematik
(Stichwort: SCORM-Kompatibilität) zusammen?
Uwe Kohnle:
Wir haben 90.000 angemeldete Nutzer seit Dezember 2005 und um die
100 interaktive Lernmodule mit Leistungstests. Da wir bislang nicht
öffentlich gefördert werden und die Materialen großteils
von ehrenamtlich engagierte(n) Lehrenden stammen, die wir als gemeinnützige
Gesellschaft zu interaktiven Modulen aufbereitet haben, halte ich
die Zahl an Lernmodulen, die wir gratis vorhalten, nicht für
wenig – im Gegenteil. Sicherlich benötigen Lehrende einfachen
Zugriff auf möglichst viele Ressourcen mit standardisierten
Beschreibungen. Um gemeinsam mit anderen Anbietern Zugriff auf diese
sogenannte kritische Masse zu ermöglichen, engagieren wir uns
deshalb als Gründungsmitglied bei dem deutsch-österreichischen
Metadaten-Konsortium CONducation (www.conducation.eu). In der SCORM-Kompatibilität
sehen wir übrigens keine Problematik. Unsere Module sind bislang
in allen Lernplattformen gelaufen und geben über eine Schnittstelle
sogar die drei Bearbeitungskriterien „gesehene Seiten“,
„Bearbeitungszeit“ und „erreichte Prozentpunkte
im Test“ an die Lernplattform weiter. Selbst ohne Lernplattform
sind die Module lauffähig und auch in dieser direkten Bearbeitung
werden die drei genannten Kriterien für Lernende und Lehrende
oder Eltern transparent gemacht – prozesshaft während
der Bearbeitung und als Ergebnis über ein druckbares Zertifikat.
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teletutoren.net:
Es wird immer wieder beklagt, dass die Schulen zwar mit modernen
PCs ausgestattet sind, das Medium Computer im Unterricht aber kaum
genutzt wird. Während vor Jahren stets die nicht oder noch
unzureichend vorhandene Medienkompetenz der Lehrer dafür verantwortlich
gemacht wurde, zieht dieses Argument aus heutiger Sicht nicht mehr.
Hängt der zögerliche Einsatz des PCs also mit der Gruppengröße
zusammen? 30 Schüler als Einzelperson zu betreuen, während
diese am PC arbeiten, ist ja aufgrund der möglicherweise auftretenden
technischen Probleme wirklich kaum vorstellbar. Oder fehlen die
mediendidaktischen Konzepte? Oder fehlen gar die Inhalte? Da könnten
Sie mit lernmodule.net ja Abhilfe schaffen... ;-)
Uwe Kohnle:
Der zögerliche Einsatz neuer Medien hängt unserer Erfahrung
nach mit dem oftmals ungünstigen Aufwand-Nutzen-Verhältnis
für Lehrer zusammen. Deshalb legen wir Wert auf hohen Nutzen
bei geringem Aufwand:
Entlastung und Binnendifferenzierung auch bei großen Gruppen:
Dadurch, dass die Module einfach zu nutzen sind – es braucht
keine Installation, ein Internetzugang genügt –, können
Schüler auch in größeren Gruppen individuell gefördert
werden. Jeder Schüler erhält seine Zugangsdaten und bearbeitet
das Modul weitgehend selbstgesteuert. Automatisiert ausgewertete
Abschlusstests am Ende eines jeden Moduls entlasten Lehrende und
versorgen Lehrer und Schüler mit wertvollen Rückmeldungen
zum Lernstand.
Meiner Meinung nach fehlen weniger die mediendidaktischen Konzepte.
Medien generell und auch neue Medien werden nicht um ihrer selbst
willen eingesetzt, sondern wenn sie Lösungen für Probleme
bieten. Das tun sie beispielsweise, wenn sie Lehrende entlasten,
einzelne Schüler motivieren und gezielt fördern oder Unterrichtsausfälle
abfedern können.
Und schließlich geht aus Studien tatsächlich hervor,
dass es an Inhalten fehlt: 43 % der in einer OECD-Studie von 2006
befragten Schulleiter in Deutschland beklagten weniger eine unzureichende
Ausstattung mit Computern als vielmehr einen Mangel an Software
(http://www.oecd.org/dataoecd/49/7/36001057.pdf). Genau darin sehen
wir auch den gangbaren Weg, um die Akzeptanz seitens der Lehrenden
– denen es weniger an Kompetenz als an Inhalten fehlt –
zu fördern. Wir bieten passend zugeschnittene und aufbereitete
Inhalte und geeignete Einsatzszenarien, sodass Lehrende den Nutzen
von Computern für den eigenen Unterricht überhaupt sehen
können.
teletutoren.net:
Wie schätzen Sie den Einsatz des Computers und des Internet
im schulischen Umfeld für die Zukunft ein? Werden Entwicklungen
wie Web 2.0 nur bei innovativen Schulen und innovativen Lehrern
ankommen? Sind internetgestützte (und teletutoriell betreute)
Fortbildungen für Lehrer ein Weg, Anregungen und Anleitungen
für den sinnvollen Computer- und Interneteinsatz im Unterricht
zu erhalten?
Uwe Kohnle: Die derzeitige Ausprägung
der Aufmerksamkeit für Web 2.0 ist sicherlich temporär,
allerdings wird sich die Bewegung unserer Meinung nach manifestieren
und die Zukunft des Internet mitbestimmen. Vor allem im pädagogisch-didaktischen
Feld, wo individuelle Vorlieben von Lehrenden und Lernenden eine
wichtige Rolle spielen, werden Erstellung, Gestaltung und Austausch
webbasierter Materialien nicht mehr wegzudenken sein. Was heute
noch als „Web 2.0“ besondere Aufmerksamkeit verdient,
ist sicherlich bald selbstverständlich – nicht nur für
innovative Schulen und Lehrer, davon bin ich überzeugt. Tutoriell
betreute Fortbildungen für Lehrer sind sicherlich eine wichtige
Komponente der Integration des Computers in das schulische Umfeld.
Doch der Computereinsatz im pädagogischen Alltag eines Lehrers
steht und fällt ganz sicher immer mit seinem Aufwand und seinem
individuellen Nutzen durch das didaktische Instrument. Hier möchten
wir weiterhin Wege aufzeigen.
teletutoren.net:
Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Angebot
und bedanken uns für dieses interessante Gespräch!
Interviewerin: Gabriela Pflüger
Link: www.lernmodule.net
Uwe Kohnle
lernmodule.net |
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