teletutoren.net - Experteninterview des Monats


Interview im Mai 2007:
Interview mit Uwe Kohnle,
Geschäftsführer des Unternehmens "lernmodule.net", Gewinner des EureleA 2007

teletutoren.net: Herr Kohnle, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Gewinn des Europäischen E-Learning Award 2007 „EureleA“! Bitte erklären Sie doch unseren Lesern kurz, was dies für ein Preis ist und warum Sie ihn erhalten haben.

Uwe Kohnle: Der europäische E-Learning Award ist ein Wettbewerb, mit dem ein zentraler Impuls für die Entwicklung innovativer Aus- und Fortbildungsangebote im Internet und Intranet gegeben werden soll. Prämiert wird im Rahmen von EureleA die beispielgebende Nutzung von E-Learning, also von elektronischen Lehr- und Lernmitteln für Zwecke der Aus- und Fortbildung.
lernmodule.net ist Gewinner des Europäischen E-Learning Award 2007 in der Kategorie 'Privatinitiativen und Non-Profit-Organisationen'. Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: „Das Projekt "Lernmodule.net" ist ein gemeinnütziger Ansatz, der die Verwendung des mediengestützten Lernens in der Schule dadurch fördert, dass sich Lehrer innerhalb von Minuten Kursmaterial für ihren Unterricht zusammenstellen können. Dieses Modell und die Vielfalt der Kurse sind in besonderem Maße angetan, die Rolle des Lehrenden als Wissensmoderator und Qualitätssicherer zu betonen und leisten damit einen Beitrag zur Entwicklung der Schule des 21. Jahrhunderts. Die Jury versteht diese Auszeichnung als eine ausdrückliche Bestärkung, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen - aber auch als Ansporn und Rückenwind bei der Zusammenarbeit mit den Schulbehörden, die zur Veränderung des Systems Schule notwendig ist.“

teletutoren.net: Seit wann gibt es lernmodule.net und warum haben Sie das Unternehmen gegründet?

Uwe Kohnle: Ich habe lernmodule.net im Oktober 2004 gegründet, und zwar mit einem sperrig anmutenden Namenszusatz: Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung Neuer Medien in Schulen und Hochschulen. Und genau darum geht es: Die Potenziale computergestützter Medien für das Lehren und Lernen zu erschließen. Als ehemaliger Lehrer weiß ich, dass eine zusätzliche Arbeitsbelastung von den Kolleginnen und Kollegen oft kaum noch zu stemmen ist. Neue Medien müssen deshalb optimal auf den Unterricht zugeschnitten sein und sich unkompliziert integrieren lassen. Und die Qualität muss stimmen. Binnendifferenzierung, Arbeitserleichterung, Überbrückung von Unterrichtsausfällen: An E-Learning-Szenarien für Schulen führt mittlerweile kein Weg mehr vorbei. Dabei darf es möglichst nichts kosten, um die Chancengerechtigkeit auch im außerschulischen Bereich zu verbessern. Wir bieten deshalb kostenfreie elektronische Unterrichtsstunden mit integrierter Leistungsüberprüfung zu sämtlichen Schul- und Berufsthemen. Wir bauen dabei u. a. auf nachhaltige und langfristige Partnerschaften mit Unternehmen, die einen Mehrwert darin sehen, sich in diesem neuartigen Kommunikationsfeld für die Zielgruppe Lehrer, Jugendliche und Eltern zu engagieren.

teletutoren.net: Es sind sehr viele Nutzer auf der Website angemeldet, aber im Vergleich dazu (noch) wenig Lernmodule verfügbar. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Hängt dies auch mit der Standardisierungsproblematik (Stichwort: SCORM-Kompatibilität) zusammen?

Uwe Kohnle: Wir haben 90.000 angemeldete Nutzer seit Dezember 2005 und um die 100 interaktive Lernmodule mit Leistungstests. Da wir bislang nicht öffentlich gefördert werden und die Materialen großteils von ehrenamtlich engagierte(n) Lehrenden stammen, die wir als gemeinnützige Gesellschaft zu interaktiven Modulen aufbereitet haben, halte ich die Zahl an Lernmodulen, die wir gratis vorhalten, nicht für wenig – im Gegenteil. Sicherlich benötigen Lehrende einfachen Zugriff auf möglichst viele Ressourcen mit standardisierten Beschreibungen. Um gemeinsam mit anderen Anbietern Zugriff auf diese sogenannte kritische Masse zu ermöglichen, engagieren wir uns deshalb als Gründungsmitglied bei dem deutsch-österreichischen Metadaten-Konsortium CONducation (www.conducation.eu). In der SCORM-Kompatibilität sehen wir übrigens keine Problematik. Unsere Module sind bislang in allen Lernplattformen gelaufen und geben über eine Schnittstelle sogar die drei Bearbeitungskriterien „gesehene Seiten“, „Bearbeitungszeit“ und „erreichte Prozentpunkte im Test“ an die Lernplattform weiter. Selbst ohne Lernplattform sind die Module lauffähig und auch in dieser direkten Bearbeitung werden die drei genannten Kriterien für Lernende und Lehrende oder Eltern transparent gemacht – prozesshaft während der Bearbeitung und als Ergebnis über ein druckbares Zertifikat.

teletutoren.net: Es wird immer wieder beklagt, dass die Schulen zwar mit modernen PCs ausgestattet sind, das Medium Computer im Unterricht aber kaum genutzt wird. Während vor Jahren stets die nicht oder noch unzureichend vorhandene Medienkompetenz der Lehrer dafür verantwortlich gemacht wurde, zieht dieses Argument aus heutiger Sicht nicht mehr. Hängt der zögerliche Einsatz des PCs also mit der Gruppengröße zusammen? 30 Schüler als Einzelperson zu betreuen, während diese am PC arbeiten, ist ja aufgrund der möglicherweise auftretenden technischen Probleme wirklich kaum vorstellbar. Oder fehlen die mediendidaktischen Konzepte? Oder fehlen gar die Inhalte? Da könnten Sie mit lernmodule.net ja Abhilfe schaffen... ;-)

Uwe Kohnle: Der zögerliche Einsatz neuer Medien hängt unserer Erfahrung nach mit dem oftmals ungünstigen Aufwand-Nutzen-Verhältnis für Lehrer zusammen. Deshalb legen wir Wert auf hohen Nutzen bei geringem Aufwand:
Entlastung und Binnendifferenzierung auch bei großen Gruppen: Dadurch, dass die Module einfach zu nutzen sind – es braucht keine Installation, ein Internetzugang genügt –, können Schüler auch in größeren Gruppen individuell gefördert werden. Jeder Schüler erhält seine Zugangsdaten und bearbeitet das Modul weitgehend selbstgesteuert. Automatisiert ausgewertete Abschlusstests am Ende eines jeden Moduls entlasten Lehrende und versorgen Lehrer und Schüler mit wertvollen Rückmeldungen zum Lernstand.
Meiner Meinung nach fehlen weniger die mediendidaktischen Konzepte. Medien generell und auch neue Medien werden nicht um ihrer selbst willen eingesetzt, sondern wenn sie Lösungen für Probleme bieten. Das tun sie beispielsweise, wenn sie Lehrende entlasten, einzelne Schüler motivieren und gezielt fördern oder Unterrichtsausfälle abfedern können.
Und schließlich geht aus Studien tatsächlich hervor, dass es an Inhalten fehlt: 43 % der in einer OECD-Studie von 2006 befragten Schulleiter in Deutschland beklagten weniger eine unzureichende Ausstattung mit Computern als vielmehr einen Mangel an Software (http://www.oecd.org/dataoecd/49/7/36001057.pdf). Genau darin sehen wir auch den gangbaren Weg, um die Akzeptanz seitens der Lehrenden – denen es weniger an Kompetenz als an Inhalten fehlt – zu fördern. Wir bieten passend zugeschnittene und aufbereitete Inhalte und geeignete Einsatzszenarien, sodass Lehrende den Nutzen von Computern für den eigenen Unterricht überhaupt sehen können.

teletutoren.net: Wie schätzen Sie den Einsatz des Computers und des Internet im schulischen Umfeld für die Zukunft ein? Werden Entwicklungen wie Web 2.0 nur bei innovativen Schulen und innovativen Lehrern ankommen? Sind internetgestützte (und teletutoriell betreute) Fortbildungen für Lehrer ein Weg, Anregungen und Anleitungen für den sinnvollen Computer- und Interneteinsatz im Unterricht zu erhalten?

Uwe Kohnle: Die derzeitige Ausprägung der Aufmerksamkeit für Web 2.0 ist sicherlich temporär, allerdings wird sich die Bewegung unserer Meinung nach manifestieren und die Zukunft des Internet mitbestimmen. Vor allem im pädagogisch-didaktischen Feld, wo individuelle Vorlieben von Lehrenden und Lernenden eine wichtige Rolle spielen, werden Erstellung, Gestaltung und Austausch webbasierter Materialien nicht mehr wegzudenken sein. Was heute noch als „Web 2.0“ besondere Aufmerksamkeit verdient, ist sicherlich bald selbstverständlich – nicht nur für innovative Schulen und Lehrer, davon bin ich überzeugt. Tutoriell betreute Fortbildungen für Lehrer sind sicherlich eine wichtige Komponente der Integration des Computers in das schulische Umfeld. Doch der Computereinsatz im pädagogischen Alltag eines Lehrers steht und fällt ganz sicher immer mit seinem Aufwand und seinem individuellen Nutzen durch das didaktische Instrument. Hier möchten wir weiterhin Wege aufzeigen.

teletutoren.net: Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Angebot und bedanken uns für dieses interessante Gespräch!

Interviewerin: Gabriela Pflüger


Uwe Kohnle
lernmodule.net

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