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teletutoren.net: Herr
Kühne, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Stefan Kühne: Ich arbeite
seit 2002 als Online-Trainer in verschiedenen nationalen und internationalen
train-the-trainer Lehrgängen und bin seit 2003 mit der Leitung
und Durchführung des Lehrgangs [online.beratung] am wienXtra-institut
für freizeitpädagogik (www.ifp.at) in Wien betraut.
teletutoren.net:
Sie sind auch Herausgeber des Online Magazins e-beratungsjournal.net.
Welche Zielgruppe sprechen Sie mit Ihrem Magazin an?
Stefan Kühne: Das e-beratungsjournal.net
versteht sich als Fachzeitschrift für Online-Beratung und computervermittelte
Kommunikation. Gemeinsam mit Gerhard Hintenberger habe ich dieses
Journal mit dem Ziel entwickelt, eine breite Fachöffentlichkeit
im deutschsprachigen Raum zu vernetzen und eine Plattform zur Verfügung
zu stellen, auf der aktuelle Themen der Online-Beratung und wissenschaftliche
Arbeiten kostenlos zugänglich sind. Gemeinsam mit einem Redaktionsteam
und unterstützt durch den hochkarätigen wissenschaftlichen
Beirat haben wir im März die zweite Ausgabe mit dem Schwerpunkt
„Standards der Online-Beratung“ veröffentlicht.
Die nächste Ausgabe („Methodik der Online-Beratung“)
wird im September erscheinen.
teletutoren.net:
In welcher Hinsicht sehen Sie Parallelen zwischen Online-Beratung
und Online-Tutoring bzw. der Betreuung von Lernenden über das
Netz?
Stefan Kühne:
Zuerst ist da natürlich die kanalreduzierte
Kommunikation zu nennen. Online-Beratung findet ebenso wie die meisten
Angebote im eLearning-Bereich textbasiert statt. BeraterInnen benötigen
Erfahrung in den Bereichen Text- und Kontextkompetenz und sollten
Wissen über virtuelle Gruppen und deren Dynamik haben. Methoden
der E-Moderation und ein sehr gutes Wissen über technische
Möglichkeiten sollten ebenfalls bei Online-BeraterInnen vorhanden
sein. Wir haben im Lehrgang [online.beratung] aus diesem Grund die
Entscheidung getroffen, ihn als blended E-Learning Lehrgang anzulegen
und haben das zentrale Modul „Online-Kommunikation“
direkt aus einem train-the-trainer Lehrgang für Online-Lehre
und Online-Lernen weiterentwickelt. Ähnlich wie in der Ausbildung
für E-Trainer, werden u.a. das Schreiben und Formulieren von
Texten geübt, mit dem Unterschied, dass es sich nicht um Lernaufgaben
oder Feedbacks handelt, sondern dass Beratungs-E-Mails bearbeitet
werden und innerhalb der Lehrgangsgruppe gefeedbackt werden. Online
Training ist eine wichtige Voraussetzung um später gut als
Online-BeraterIn arbeiten zu können.
teletutoren.net:
Wo sehen Sie Unterschiede zwischen Online-Beratung und
Online-Coaching?
Stefan Kühne: Die Begriffe
sind leider noch nicht ausreichend definiert und die Grenzen sind
fließend, da selbst im Online-Beratungs-Bereich viele AnbieterInnen
den Begriff jeweils anders definiert haben. Im Feld der psychosozialen
Online-Beratung würde ich einen Unterschied darin sehen, ob
ich mich als Online-Berater auf einen Beratungsprozess einlasse,
dem ich einen klaren Rahmen zur Verfügung stelle oder ob ich
vielmehr beratend und begleitend eine Unterstützung in Form
eines Coachings anbiete. Beides ist natürlich online möglich
und es hängt jeweils von der Zielsetzung des Angebots ab, für
welche Variante ich mich entscheide und wie ich mein Angebot dann
nenne. Hier gibt es einen ziemlich unübersichtlichen Wildwuchs:
Online-Beratung, E-Beratung, virtuelle Beratung, Online-Counselling,
Internet-Beratung, Cyber-Psychologie und das ganze dann auch im
Coaching mit ähnlichen Namen. Mir gefällt die Formulierung
„psychosoziale Online-Beratung ist reale Beratung im virtuellen
Raum“ am besten.

Stefan Kühne
Online-Trainer und Herausgeber des Online-Magazins e-beratungsjournal.net |
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teletutoren.net:
Wie gewährleisten Sie die Anonymität eines Ratsuchenden
im Rahmen einer Online-Beratung?
Stefan Kühne: Wenn es das
Ziel des Angebotes ist, eine anonyme Beratung anzubieten, so sind
verschiedenen Formen möglich. Entweder ich biete einen öffentlichen
Platz, wie z.B. ein Forum im Internet für Beratungsanfragen
an, das wäre dann ohne Registrierung eine sehr niedrigschwellige
und völlig anonyme Form der Beratung, oder ich biete eine webbasierte
Beratungsumgebung an, bei der ein Zugang mit E-Mail-Adresse und
Passwort möglich ist. Vergleichbar mit einem LMS wie Moodle,
gibt es inzwischen eigene professionelle Beratungssoftware, wie
z.B. Beranet, mit der sehr viele BeraterInnen im deutschsprachigen
Raum arbeiten. Neben der Anonymität ist das Thema Datenschutz
in der Online-Beratung übrigens viel wichtiger als im E-Learning-Bereich.
Psychosoziale Online-Beratung muss gewährleisten, dass der
Beratungsprozess nicht für Dritte einsehbar ist. Webbasierte
(und verschlüsselte) Mail-Beratung scheint sich dabei als Standard
durchzusetzen.
teletutoren.net:
Sie leben in Österreich und überblicken vermutlich auch
die E-Learning-Szene in Ihrem Land. Welche Themen sind in der "Szene"
in Österreich momentan aktuell?
Stefan Kühne: Die österreichische
E-Learning Szene ist recht unübersichtlich. Zwar hatten wir
gerade im Juni die Annual Conference des European Distance and E-Learning
Netzwerks EDEN zu Gast in Wien (www.eden-online.org) und im kommenden
Herbst findet in Klagenfurt die Tagung zu Learning-Communities statt
(www.learning-communities.at). Insgesamt gesehen finde ich jedoch,
dass zwar zum einen eine Reihe von Projekten im schulischen und
außerschulischen Kontext ganz beachtliche Fortschritte machen,
es aber trotzdem an einer österreichischen E-Learning-Strategie
fehlt. Web 2.0 ist natürlich auch hier Thema und die weitere
Entwicklung mit Wikis, Weblogs und allen Formen des Podings wird
diskutiert. Die Schulen tun sich dabei aber immer noch schwer, einen
Mindeststandard an Medienkompetenz und E-Learning-Angeboten anzubieten
und umzusetzen.
teletutoren.net:
Existieren in Österreich Netzwerke von E-Learning-Akteuren?
Falls ja, welche gibt es?
Stefan Kühne: Da fällt
mir außer dem Serverprojekt in Graz (http://serverprojekt.fh-joanneum.at/sp/index.php)
kein weiteres (aktives) Netzwerk ein, was natürlich nicht heißt,
das es keines gibt. Auch hier sind schon manche Initiativen im Sand
verlaufen und auch ein von der Österreichischen Computergesellschaft
OCG vor Jahren ins Leben gerufener Arbeitskreis E-Learning-Didaktik
kam nie wirklich zum Arbeiten.
teletutoren.net:
Wie schätzen Sie die Möglichkeiten von Networking generell
und für Ihre Branche - Online-Beratung - im Besonderen ein?
Stefan Kühne: Networking
halte ich für essentiell, noch dazu, wo es durch Online-Zusammenarbeit
über Ländergrenzen hinweg problemlos möglich ist.
Im Feld der Online-Beratung können wir sehr viel von den Erfahrungen
des E-Learning-Bereichs lernen und müssen somit das Rad der
Online-Kommunikation nicht neu erfinden. Initiativen wie das teletutoren.net
sind daher auch für uns im Bereich der Online-Beratung sehr
interessant und eine Bereicherung. Networking spart Ressourcen aber
natürlich müssen die einzelnen AkteurInnen auch zusammenarbeiten
wollen. ;-)
teletutoren.net:
Herr Kühne, vielen Dank für dieses interessante Interview!
Interviewerin: Gabriela Pflüger
Download des Interviews als PDF |