teletutoren.net - Experteninterview des Monats


Interview im September 2007:
Interview mit Dorit Wehling, Mitarbeiterin und Online-Tutorin der Virtuellen Akademie Brandenburg - ViA Brandenburg

teletutoren.net: Frau Wehling, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Dorit Wehling: Seit der Jahrtausendwende arbeite ich mit am Aufbau der Virtuellen Akademie Brandenburg mit. Hier bin ich vor allem für die Qualifizierung von Bildungspersonal zuständig. Das sind Partner- und Netzwerkstrukturen, die wir in die Realisierung unserer Vorhaben einbinden. Von Beruf bin ich Dolmetscherin und Übersetzerin. Seit Anfang der 90 Jahre arbeite ich in der Erwachsenenqualifizierung. Ich wohne in Fürstenberg an der Havel, nördlich von Berlin und genieße die Überwindung räumlicher Distanzen auch durch technische Möglichkeiten.

teletutoren.net: Was genau ist die "Virtuelle Akademie Brandenburg"?

Dorit Wehling: Historisch gesehen ein Projekt der Arbeitspolitik, finanziert aus Mitteln des ESF und vom Land Brandenburg. Offiziell eröffnet wurde sie am 28. November 2005. Inzwischen lernt sie laufen und hat ihr Zuhause im Verein educo Institut für Bildung und Beruf mit Sitz in Potsdam. Die ViA Brandenburg, und da zitiere ich das Leitbild, qualifiziert vorzugsweise berufstätige Menschen vor allem in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Für Mitarbeiter und Führungskräfte schafft sie maßgeschneiderte und individuelle Lösungen zur betrieblichen und beruflichen Qualifizierung. Das geschieht durch die professionelle Verbindung von Lernberatung, Training vor Ort und virtuellem Lernen. Dafür ist die ViA Brandenburg gemeinsam mit weiteren Fachleuten für ihre Kunden tätig.
Sie finden die Virtuelle Akademie Brandenburg im Internet unter www.via-bb.de und personifiziert im ViA-Team und unseren Partnerstrukturen.

teletutoren.net: Welche Kooperations-partner konnten Sie bislang gewinnen und welche Aufgaben übernehmen diese?

Dorit Wehling: Zunächst nenne ich hier das Netzwerk der ViA-Lernberater und -Fachmentoren. Die ViA-Lernberater werden in einem sechsmonatigen Blended Learning-Training qualifiziert. Danach übernehmen sie die Kundenansprache und Produktgestaltung. Das gelingt ihnen aus der Zusammenführung ihrer eigenen Kompetenzen und Produkte mit denen der ViA zu einem kundengerechten Lernarrangement. Hinter den ViA-Lernberatern stehen oft wiederum Bildungsunternehmen, die ViA-Regionalpartner, die dann auch zum Netzwerk gehören und ihre Ressourcen einbringen.
ViA-Fachmentoren unterstützen uns bei der Qualifizierung der ViA-Lernberater. Das sind Experten verschiedenster Gebiete. Aus Fachmentoren und Lernberatern entstand eine sich ständig weiter entwickelnde Community.
Ein auch in weiten Teilen Europas geknüpftes Netzwerk von eLearning-Anbietern ist, wenn Sie so wollen, die Beschaffungsressource für Content. Dazu haben wir auch eine öffentlich verfügbare Datenbank im Portal der Virtuellen Akademie Brandenburg, die von den Anbietern regelmäßig aktualisiert werden soll.

 

Dorit Wehling, Mitarbeiterin der Virtuellen Akademie Brandenburg (ViA Brandenburg)

teletutoren.net: Wie sieht Ihr didaktisches Konzept und Ihr Betreuungskonzept aus?

Dorit Wehling: Unser Betreuungskonzept beginnt schon lange vor dem Tutoring. Wir haben es im Land Brandenburg vor allem mit KMU zu tun, die noch nicht viel eLearning-Erfahrung haben. Oftmals ist die betriebliche Qualifizierung als Element von Unternehmenskultur erst einmal auf den Weg zu bringen. Hier sind also umsichtige Beratung und Begleitung, ausgehend von den betrieblichen Erfordernissen, die gar nicht immer unmittelbar Qualifizierung heißen, nötig. Dafür brauchen wir die Lernberater. Sie sollen zunächst prüfen, inwieweit die Lösung technischer, betriebswirtschaftlicher, organisatorischer Anliegen auch durch zielgerichtete Qualifizierung der Beschäftigten zu erreichen ist. Der Lernberater kennt die Palette geeigneter, kostengünstiger Wege und Formen dafür. Kommt es zu einem Qualifizierungsprojekt im Unternehmen, übernimmt der Lernberater weiterhin die Steuerung des Projektes, bindet dann rechtzeitig Tutoren, Trainer, Administratoren ein. Das ist übrigens die nächste Stelle in Sachen Kooperationspartner: hier greifen wir gerne auf Ihr Teletutoren-Netzwerk zurück.

teletutoren.net: Welche Technologien setzen Sie ein und welche Erfahrungen haben Sie im Hinblick auf Ihre Zielgruppe damit gemacht?

Dorit Wehling: In unserer Systematik landet der Kunde erst einmal in unserem Webportal. Die Lern- und Kommunikationsprozesse finden bei uns auf einer Moodle-Plattform statt. Das Design von Portal und Plattform haben wir aufeinander abgestimmt. Für die Zielgruppe 'junge Mitarbeiter' ist in Sachen Design noch einiges drin.
Ein wichtiges Element in unseren Lernarrangements ist ViA-Meeting. So heißt unser virtuelles Klassenzimmer. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Lernen und Arbeiten mittels ViA-Meeting viele Befindlichkeiten und Ängste nimmt und den Einstieg in Formen virtuellen Lernens ungemein erleichtert. Das liegt ganz einfach an der Unmittelbarkeit. Alles ist wie im klassischen Workshopraum: gemeinsames Arbeiten, Zuwendung, Spaß. Lediglich die räumliche Distanz bleibt. Aber diese überwinden wir mit der Technik und synchroner Kommunikation.

teletutoren.net: Wie sind die Reaktionen auf die Virtuelle Akademie bislang?

Dorit Wehling: Wir spüren großes Interesse und vor allem Zustimmung zu unserem Konzept. Wir haben sehr ethische Ansprüche für den Umgang miteinander und in unseren Netzwerken. Das macht die Arbeit nicht immer einfach. Wir wissen aber auch: besser geht immer und befinden uns somit in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

teletutoren.net: Wo sehen Sie die Virtuelle Akademie Brandenburg in fünf Jahren? Was wird sich geändert haben, was wird bleiben?

Dorit Wehling: Bleiben wird unser Konzept: Nur mit umsichtiger Beratung und Betreuung kann ich auch virtuelles Lernen als Teil eines Ganzen verkaufen. Bleiben wird auch das Verständnis, dass eLearning, nur weil es das gibt, nicht immer und überall die Lösung ist. Es sind so viele Faktoren nötig, es zu ermöglichen. Wie eben für das Lernen und für Veränderung überhaupt. Unsere Netzwerke werden bleiben und sich bewähren. Was sich ändert? Die Inhalte, die Themen, zu denen sich Menschen qualifizieren wollen.

teletutoren.net: Vielen Dank für dieses interessante Interview!

Interviewerin: Gabriela Pflüger

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