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teletutoren.net: Herr
Böhm , bitte stellen Sie sich kurz vor.
Frank Böhm: Ich bin Diplom
Sozialpädagoge und arbeite an der Universität Siegen.
Dort berate ich Lehrende beim Einsatz von E--Learning Anwendungen.
Darüber hinaus bin ich Redakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift
Siegen:Sozial und aktiv im Feld der Schulsozialarbeit.
Neben meiner derzeitigen beratenden Funktion im Bereich E-Learning
und Content Managment, arbeite ich mich in das Learning Management
System „Moodle“ ein, um demnächst an der hiesigen
Universität wieder als Tele-Tutor Seminare betreuen zu können.
teletutoren.net:
Sie haben ein Buch über Teletutoren geschrieben, das
auf empirischen Forschungsergebnissen beruht. Wie lautete die Fragestellung
Ihrer Untersuchung? Welche Ergebnisse daraus sind besonders interessant
für unsere Tele-Tutoren?
Frank Böhm: Seit ich während
meines Studiums zum ersten Mal ein E-Learning Seminar besucht habe,
hat mich die Frage nicht mehr losgelassen, wo der Mehrwert eines
virtuellen Seminars im Vergleich zu einer „herkömmlichen“
Präsenzveranstaltung liegt. Ich wollte wissen, von welchen
Faktoren ein gelingendes Seminar im virtuellen Raum abhängt,
speziell welche Rolle der Teletutor in diesem Setting einnimmt und
über welche Qualifikationen er verfügen muss. Aus diesem
Grund habe ich gezielt Dozenten angesprochen und sie gefragt, ob
sie mit mir als tutorielle Unterstützung einen Schritt in das
virtuelle Zeitalter wagen.
Mehrere Seminare – teils rein virtuell, teils Blended Learning
– habe ich daraufhin begleitet und die Teilnehmer im Anschluss
an die Seminare schriftlich befragt.
Eine Emailumfrage unter Konstrukteuren und Betreibern
von E-Learning-Anwendungen ergänzen die Rückmeldungen
und liefern einen aktuellen Blick in die Praxis. Diese Ergebnisse
– zusammen mit meinen eigenen Erfahrungen – liefern
meiner Meinung nach ein realistisches Bild vom momentanen Stand
im E-Learning Sektor.
Ersten Rückmeldungen zum Buch kann ich entnehmen, dass viele
Leser durch die Lektüre ermutigt wurden, weitere E-Learning
Seminare anzubieten. Ein Grund liegt darin, dass ich in meinen Seminarschilderungen
nichts beschönige und immer wieder betone, dass viele Punkte
nicht optimal geplant und verlaufen sind. Dennoch haben gerade diese
Fehler zum Lernprozess beigetragen. Unter diesem Aspekt könnte
ich mir gut vorstellen, dass das Buch für Ihre Teletutoren
interessant ist.
teletutoren.net:
Sind Ihrer Ansicht nach tutoriell betreute Veranstaltungen grundsätzlich
„besser“ als unbetreute oder muss der Teletutor über
bestimmte Qualifikationen verfügen, damit positive Effekte
überhaupt auftreten?
Frank Böhm:
Ich denke, dass man erst mal zwischen menschlicher
und maschineller tutorieller Betreuung unterscheiden muss. Viele
Learning Management Systeme besitzen zum Beispiel eine tutorielle
Betreuung auf maschineller Basis, die dem Lernenden 24 Stunden am
Tag zur Verfügung steht. Natürlich kann diese Art der
Betreuung niemals einen menschlichen Teletutor ersetzen. Dennoch
gibt es Bereiche, wo diese Betreuung durchaus sinnvoll erscheint
(z.B. automatische Testkorrekturen bzw. Wissensabfragen, Erinnerungsmails,
etc.), um menschliche Ressourcen zu schonen.
Um auf Ihre Frage zu kommen, würde ich sagen, dass sich die
Qualität tutoriell betreuter Seminare aus verschiedenen Komponenten
zusammen setzt. Eine wichtige Variable ist dabei sicherlich der
Teletutor und seine Qualifikation. Schwierig ist nur die Bestimmung
der benötigten Fähigkeiten. Ich habe im theoretischen
Teil des Buchs versucht, das Handwerkszeug für Teletutoren
zusammenzustellen, sozusagen die „Tutor-Basics“. Hierzu
gehören u.a. Kenntnisse über verschiedene didaktische
Ansätze („cognitive apprenticeship“, „anchored
instruction“), Unterscheidungsmerkmale der einzelnen Rollen
im virtuellen Raum und eine Typologie der Lerntypen, auf die man
als Teletutor vorbereitet sein sollte. Etwas überspitzt aber
dennoch nicht ganz realitätsfern habe ich außerdem eine
Mind Map erstellt, die alle Eigenschaften eines „idealen“
Teletutors bündelt.

Frank
Böhm
Sozialpädagoge, Teletutor und Autor |
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teletutoren.net:
Wie sehen Sie die Rolle des Teletutors in Hochschulseminaren im
Unterschied zur Rolle des Lehrenden? Wie stehen Sie zu der verbreiteten
Forderung, dass der Teletutor Fachexperte für das zu betreuende
Gebiet sein sollte?
Frank Böhm: Auch wenn sich
die Aufgabenbereiche der beiden Seminarbetreuer, Dozent bzw. Kursleiter
und Teletutor unterscheiden, arbeiten sie dennoch eng zusammen.
Sie müssen sich stets gegenseitig über die geplanten Arbeitsschritte
verständigen, um einen optimalen Verlauf zu erzielen. Die Annahme,
dass die Rolle des Teletutors nur auf die administrativen Aufgaben
beschränkt ist (z.B. Pflege der Lernplattform, Betreuung der
Anmeldungen etc.), blendet die wirklichen Anforderungen (z.B. Lernberater,
Lernmotivator) gänzlich aus. Hier würde ich für eine
transparentere Darstellung der tatsächlich eingebrachten Ressourcen
plädieren!
Die Forderung, Teletutoren sollten stets Fachexperten auf dem zu
betreuenden Gebiet sein, kann ich nicht vollends unterstützen.
Aus meiner Sicht sollten Teletutoren natürlich eine pädagogische
Grundbildung besitzen und spezielle Kenntnisse über Lernmodelle
und -typen. Die Notwendigkeit des Fachwissens obliegt aber dennoch
dem Lehrenden. Er ist Initiator und Richtungsweiser der Veranstaltung
und kann zu gegebenem Anlass den Teletutor mit in die fachspezifische
Planung involvieren. Dennoch sind die Hauptaufgaben des Teletutors
in Hochschulseminaren nicht auf dieser Ebene angesiedelt.
teletutoren.net:
Welche Vision einer idealen Lehrveranstaltung beschreiben Sie in
Ihrem Buch?
Frank Böhm: Die von mir konzipierte
Lehrveranstaltung stellt die Zusammenführung der Ergebnisse
aus den Interviewantworten und meinen eigenen Erfahrungen als Teletutor,
angereichert mit theoretischen/didaktischen Grundlagen dar. Ich
habe für meine Musterveranstaltung die Seminarform des „Blended
Learning“ gewählt, also eine Mischung aus Präsenz-
und virtueller Veranstaltung. Diese Verbindung scheint mir zum momentanen
Zeitpunkt die sinnreichste Form zu sein, die Vorteile von Präsenzveranstaltungen
mit den Vorteilen rein virtueller Seminare zu verbinden. Jede Form
für sich führt letztendlich nur zum Phänomen der
„Monokultur“, die durchaus ertragreich ist, erfahrungsgemäß
aber wenig Fortschritt bewirkt hat.
teletutoren.net:
Herr Böhm, vielen Dank für dieses interessante Gespräch
und viel Erfolg mit Ihrem Buch!
Frank Böhm: Ich danke ebenfalls
und hoffe, dass mein Buch zur Diskussion anregt und den Lesern Mut
macht, e-Learning in Verbindung mit tutorieller Betreuung auszuprobieren,
wenn sie es nicht schon längst betreiben.
Interviewerin: Gabriela Pflüger

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