teletutoren.net - Experteninterview des Monats


Interview im November 2006:
Interview mit Ulrich Reinhardt,
Herausgeber des "Trendboten", einem Brancheninformationsdienst des Weiterbildungsmarktes

teletutoren.net: Herr Reinhardt, Sie sind der Herausgeber des "Trendboten". Dieser Brancheninformationsdienst liefert nach eigenen Aussagen "individuelle Beobachtungen, Recherchen und eine Reihe von Reports zum Aus- und Weiterbildungsmarkt". Bitte schildern Sie unseren Lesern doch einige Details Ihres Angebots.

Ulrich Reinhardt, Trendbote: Wir beobachten umfassend und kontinuierlich den Aus- und Weiterbildungsmarkt nach Neuigkeiten, Tendenzen und Trends. Diese Informationen fassen wir in monatlichen bzw. wöchentlichen Reports zusammen. Unser "bestes Pferd" ist z.B. der Report: „Wissen, wo es Geld gibt“ - für Anbieter von Weiterbildungen immer eine zentrale Frage - listet alle neuen, veränderten oder auch aktualisierten Dokumente, Seiten und Dateien aus diesem Bereich. Sie finden hier News zu Förderprogrammen, Ausschreibungen, Wettbewerben, Financiers, Stipendien etc. Der Report: „Wissen, was andere schreiben“ oder auch der „Report Bildung Europa“ sind ebenfalls sehr beliebt. Für Norddeutschland haben wir einen Extra-Report: „Weiterbildung Nord“, der im Schwerpunkt darüber berichtet, was die Wettbewerber, Financiers und Kunden der Weiterbildungsbranche in den fünf norddeutschen Bundesländern gerade neu propagieren. Weitere Reports finden Sie auf unseren Internetseiten [Link] Wie gesagt, Schwerpunkt ist die Aus- und Weiterbildung im außerschulichen Segment, also von der klassischen Trainingsmaßnahme bis zum dualen Studiengang für Berufstätige. Inzwischen haben wir aber auch für einzelne Kunden individuelle Marktbeobachtungen installiert, die z.B. im Bereich Behinderte, Coaching oder auch der Kultur beheimatet sind.

teletutoren.net: Wie gelangen Sie an Ihre Informationen? Lesen Sie den ganzen Tag Newsletter einschlägiger Websites oder haben Sie einen Mitarbeiterstab dafür engagiert?

Ulrich Reinhardt, Trendbote: Informationen sammeln ist nur die erste Hürde aber eigentlich nicht das große Problem. Sicher, Sie haben viel zu lesen, wobei es mehr ein zügiges Scannen und Beurteilen vor ihrem Auge ist. Aber Beobachtungen von Seiten lassen sich auch automatisieren. Entscheidend ist: Sie müssen wissen, wo sie genau hinschauen, sonst werden Sie von der Informationsflut erschlagen. Wir beobachten aktuell ca. 12.000 qualifizierte Seiten des außerschulischen Bildungsbereichs. Ca. 25% davon werden von den Produzenten aktiv gepflegt, bieten also kontinuierlich Neues, trotzdem bleibt der Rest wichtig: schon Morgen kann dort die spannende Information, das neue Produkt präsentiert werden. Dieser Bestand unserer Beobachtung erstreckt sich bundesweit (plus Schweiz und Österreich) und ist über vier Jahre gewachsen. Er basiert auf meiner rund 25-jährigen Praxis in verschiedenen, häufig innovativen Bereichen der Weiterbildung. Viel entscheidender als die Informationssammlung ist jedoch die Bewertung und Einschätzung der Neuigkeiten. Dazu brauchen Sie detaillierte Branchenkenntnisse, Einblicke und hohe Affinitäten zu den beobachteten Märkten. Daher nutzen wir für individuelle Kundenaufträge - z.B. das Monitoring der Bereiche Coaching, Behinderte und Kultur - die Branchenkenntnisse von anderen Menschen, die dann als Mitarbeiterinnen aktiv werden. Unsere Popularität hat inzwischen auch dazu geführt, dass wir viele "Informanten" in der Branche haben, die uns direkt und sehr frühzeitig informieren. Im Gegenzug popularisieren wir dann deren Anliegen - wenn wir es für trendverdächtig oder zumindest auffallend interessant halten. Meinungsverschiedenheiten sind da nicht ausgeschlossen.

teletutoren.net: Nach welchen Kriterien erkennen Sie einen "Trend"?

Ulrich Reinhardt, Trendbote: Trends sind neu, tauchen inhaltlich ähnlich oder vergleichbar noch nicht an verschiedenen Stellen auf, oft unbemerkt und klein, haben einen neuen, bisher nicht gekannten Kundennutzen und sind sehr flüchtig. Im Detail melden wir ja keine ausgemachten Trends, sondern sammeln Meldungen und Hinweise. Der Trend daraus entsteht in dem beruflichen/betrieblichen Kontext unserer Leser und Kunden. Dort, und nur dort, kann beurteilt und eingeschätzt werden, ob aus dieser Meldung ein Trend wird oder ein erfolgloser Versuch. Gerade die kleinen, frühzeitigen Anzeichen sind schwer (auch für uns) zu erkennen. Wenn der Trend dann an der großen Glocke hängt und sie förmlich merken, wie alle drauf aufspringen, ist es für uns als Branchenbarometer schon zu spät. Unsere Kunden/Abonnenten erwarten, dass wir frühzeitig die Meldungen rausfischen, die ihnen noch eine Reaktion auf dem Markt ermöglicht. Wir suchen Trends, die noch wachsen können.

teletutoren.net: Wir sind neugierig! Verraten Sie uns einen aktuellen Trend der Weiterbildungsbranche. ;-)

Ulrich Reinhardt, Trendbote: Jede Meldung kann für Sie, für ihre betrieblichen Aktivitäten einen Trend ausmachen. Beispiel: Die ersten Realisierungen dualer Ausbildungsgänge - also zwei Ausbildungsabschlüsse in der gleichen Zeit, meistens Kombinationen aus Ausbildung und Studium - sind schon einige Jahre alt. Wir haben es früh erkannt, jetzt gibt es immer mehr Angebote. Ersichtlich ist ein erhöhter Kundennutzen. Oder auch die Internationalisierung beruflicher Ausbildung - häufig über transnationale Kooperationen realisiert - ist auch schon Jahre Praxis, aber noch ein Trend mit Wachstumspotential. Alles weitere finden Sie dann in den Hinweisen, Notizen und Meldungen unserer Reports.

teletutoren.net: Und wie schätzen Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen die Entwicklung im Live-E-Learning-Sektor ein?

Ulrich Reinhardt, Trendbote: Ich kann es im Detail nicht beurteilen - eine Methode allein ist nicht der Schlüssel zum Erfolg. In den letzten 25 Jahren habe ich viele Lern- und Lehrmethoden erlebt, die schnell popularisiert und schon kurz danach wieder durch andere ersetzt wurden. Entscheidend für den Erfolg ist die Gesamtkonzeption: Ziel, Inhalte, Zielgruppen, Kundennutzen und Methode müssen zusammen passen. Aber klar ist auch: jede Methode des Lernens, die neben der Informationsvermittlung den thematischen Diskurs ermöglicht, also den Austausch von Meinungen, Sichtweisen und Erfahrungen, wird Erfolg haben.
Informationen sind nicht alles, nur durch die Relevanz und Passgenauigkeit zur eigenen Praxis werden sie wertvoll. Insoweit ist eine Methode nur eine Methode und noch kein Erfolgsrezept.

teletutoren.net: Herr Reinhardt, vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

Interviewerin: Gabriela Pflüger


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Trendbote